Phänologische Jahreszeit: Mit der Apfelblüte beginnt der Vollfrühling

Apfelblüten im Vollfrühling
Die Apfelblüte kennzeichnet den Anfang des Vollfrühlings

Phänologie beschäftigt sich mit den jedes Jahr wiederkehrenden Erscheinungen in der Natur. Eine dieser auffälligen Erscheinungen ist die Apfelblüte. Und die ist nicht nur besonders schön, wie auf dem Foto zu sehen ist. Sie ist auch typisch für eine jahreszeitliche Entwicklung. Mit der Apfelblüte beginnt der Vollfrühling – als phänologische Jahreszeit. Denn Apfelbäume sind sogenannte phänologische Zeigerpflanzen.

Der Zeitpunkt der beginnenden Apfelblüte ist über Jahrzehnte aufgezeichnet und analysiert worden. Die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen hier einen linearen Trend. Nach diesem Trend hat sich das mittlere Eintrittsdatum des Vollfrühlings seit 1951 vom 130 Tag des Kalenderjahres um ungefähr 15 Tage nach vorne verschoben. Im Vergleich zum rechnerischen Mittel von 1991 bis 2010 lag dieses Datum 2018 mit dem 22. April etwas mehr als eine Woche früher.

In ähnlicher Weise, wenn auch geringfügig weniger als bei der Apfelblüte im Vollfrühling, hat sich der Eintritt des Erstfrühlings nach vorne geschoben. Der beginnt phänologisch, wenn die gelben Forsythien blühen.

Die Infos zum Beginn der phänologischen Jahreszeiten stammen vom Deutschen Wetterdienst:
Mittleres Eintrittsdatum des Vollfrühlings in Deutschland seit 1951, Leitphase: Apfel – Website Deutscher Wetterdienst > Klima und Umwelt > Klimaüberwachtung > Phänologie
Mittleres Eintrittsdatum des Erstfrühlings in Deutschland seit 1951, Leitphase: Forsythie – Website Deutscher Wetterdienst, Klima und Umwelt, Klimaüberwachtung, Phänologie

Ein paar rote Dinge

Alles rot - Tomaten, Chili, Pfeffer
Ein paar rote Dinge aus der Küche

Aus gegebenem Anlass: Bereits mit wenigen Zutaten, lässt sich eine richtig leckere Nudelsoße zubereiten…

In diesem Rezept eine eindeutige Rot-Häufung. Und nein: die roten Chilis bitte nicht alle in die Soße tun. Sie reichen sonst keine 2 Wochen.

Heimliche Helden der Biomasse: Pilze, Flechten, Moose

Etwa 80% der gesamten irdischen Biomasse sind Pflanzen. In enger Nachbarschaft und oft mit ihnen vergemeinschaftet gedeihen Pilze und Flechten. Die machen zwar rechnerisch gerade einmal 2 % aus, sind aber allgegenwärtig und unser Interesse mehr als wert.

Äste, Flechten und Pilze in einem Glas
Den größten Anteil an der irdischen Biomasse haben Pflanzen

Es ist windig und nass. Auf dem Waldweg leuchten schweflig-gelbe Punkte. Der starke Wind hat seltsame Gebilde von toten Ästen gerissen und auf den Weg geweht. Was da leuchtet sind goldgelbe Zitterlinge.

Zitterlinge gehören zu den sogenannten Gallertpilzen. Bei Trockenheit bilden sie einen hornartigen Bewuchs an den Ästen, der sich wieder vergrößert, wenn es nass wird. Man könnte meinen, die Pilze selbst würden für ihre Ernährung das Holz zersetzen. Das tun sie jedoch nur indirekt. Sie leben auf den Fruchtkörpern anderer, das Holz bewohnender Pilze.

Überhaupt sind die meisten zunächst kahl wirkenden Äste Lebensraum zahlreicher anderer Organismen. Bei näherer Betrachtung der braunen bis grünlich-gelben Schichten zeigt sich eine erstaunliche Formenvielfalt. Es finden sich Moose, Pilze und Flechten. Mal recken sich winzige trompetenartige grüngelbe Teller nach oben, mal stehen kleine, sich verästelnde Sträucher darauf oder hängen als Bart herab.

Pilz und mehr als das: die Flechte

Flechten zählen systematisch zu den Pilzen. Sie sind jedoch eine Art Doppelwesen. Was sie ausmacht, ist eine Symbiose zweier oder mehrerer Organismen. Diese Lebensgemeinschaft von Pilzen und Algen miteinander ist so eng, dass die Eigenschaften der einzelnen Partner zurücktreten und sich grundlegend andere, eigene und flechtentypische Eigenschaften herausbilden. Der oder die Pilze sorgen z.B. für die Versorgung mit Flüssigkeit und mineralischen Nährstoffen. Die Alge als Photobiont erledigt die Photosynthese, zu der der Pilz nicht fähig ist.

Lebende Biomasse in der Wüste, auf Steinen und in Ritzen

Flechten gibt es auf der ganzen Welt. Manchmal wachsen sie auf Beton, manchmal auf Bäumen oder am Boden. Sie kommen auch in Gebieten vor, wo sonst nur wenig wächst. Dabei nutzen sie einerseits ihre Fähigkeit trockene Phasen unbeschadet zu überdauern andererseits ihr Vermögen Wasser anzusammeln.

Die Fähigkeit einen erheblichen Teil der Niederschläge zwischenzuspeichern und schnell wieder zu verdunsten, teilen sie mit den Moosen. Dieses Wasser versickert also nicht, sondern verdunstet bald wieder. So hat es eine ausgleichende Wirkung auf den Wasserhaushalt, aber auch auf die über den Landflächen herrschenden Temperaturen. Wissenschaftlich wird dieser Vorgang Interzeption genannt.

Moose und Flechten speichern Niederschlagswasser

Der Anteil der Flechten und Moose daran ist erheblich. Rechnet man den Beitrag der Moose und Flechten mit ein, steigt die weltweite Interzeption rechnerisch um 60%. Das geht aus einer Computersimulation hervor, die das Institut für Biochemie und Biologie der Uni Potsdam in Zusammenarbeit dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena und der Universität Georgia durchgeführt hat.

Auch Moose und Flechten sind also für den Wasserhaushalt und das Klima ziemlich wichtig. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste mal Moosen und Flechten im Garagenhof zu Leibe rücken möchten.

Wie ist eigentlich die irdische Biomasse verteilt?

Eine 2018 veröffentlichten Metaanalyse (2) hat Daten aus hunderten wissenschaftlicher Arbeiten zusammengeführt und ausgewertet. Danach entfallen von den zirka 550 Gigatonnen Kohlenstoff der irdischen Biomasse:

  • 82,4 % auf das Pflanzenreich
  • 14,5 % auf Prokaryoten (Bakterien und Urbakterien)
  • 2 % auf (mehrzellige) Pilze und Flechten
  • 0,7 % Protisten (ein- bzw. wenigzellige Organismen und Pilze)
  • 0,3 % Tiere
  • 0,05 % Viren

(Die Abweichung von den 100 % ergeben sich durch Rundungen der Einzelzahlen: Mathematischer Ausweg wäre ein Aufrunden des Virenanteils – damit würde man aber leider die Größenordnung verändern. Die hier angegebenen gerundeten Prozentzahlen wurden aus den absoluten Zahlen aus der Studie berechnet. Die unterschiedlichen angegebenen Unsicherheiten bei den verschiedenen Taxa wurden vernachlässigt.)

(1) Porada, P., Van Stan, J.T. & Kleidon, A. Significant contribution of non-vascular vegetation to global rainfall interception. Nature Geoscience 11, 563–567 (2018). https://doi.org/10.1038/s41561-018-0176-7
(2) Bar-On, Y. M., Milo, R. & Philips, R. The biomass distribution on Earth. PNAS June 19, 2018 115 (25) 6506-6511. https://doi.org/10.1073/pnas.1711842115